Selbstgedrehte fürs Wohnzimmer

Eigene DV-Filme auf VCD oder SVCD brennen

Artikel aus der c't 24/2002

Die kleinen Digital-Camcorder liefern tolle Bilder. Und auf dem PC macht das Schneiden und Nachbearbeiten richtig Spaß. Aber wohin dann mit dem selbst geschnittenen Film, wenn kein DVD-Recorder im Haus ist? Ein CD-Brenner tuts fast genauso gut, wenn man die entsprechenden Tools und Kniffe kennt.

Unterthema: Videoformate für CD und DVD im Überblick
Unterthema: Ausgewählte MPEG-Encoder im Vergleich
Unterthema: VCD-/SVCD-Kompatibilität ausgewählter DVD-Player

Das Dasein eines Hobby-Filmers ist ein hartes Brot. Sobald das nächste Familienfest ansteht, gibt es kein Entrinnen: `Du machst doch wieder so einen schönen, lustigen Film, gell?´ Zumindest bleibt dem Filmer beim Fest der allzu intensive Kontakt mit der Verwandtschaft erspart - er muss ja schließlich filmen, das Licht prüfen und ungewöhnliche Kameraperspektiven (ganz weit weg) suchen.

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Unschärfe und Blockartefakte überraschen den Anwender, wenn er eine VCD mit den voreingestellten Programmoptionen erstellt. Einzig TMPGEnc bietet auf Anhieb gute Qualität, was die Momentaufnahmen nur teilweise wiedergeben.

Nachbearbeitung und Schnitt am PC gehen in der Regel noch leicht von der Hand (siehe c't 15/02); das Haare Raufen beginnt hinterher, wenn man den auf Video-CD oder Super-Video-CD gebrannten Film sich am Fernseher anschaut: Das Bild wirkt unruhig und unscharf, ganz anders als das Originalmaterial auf der DV-Kassette. Häufig, vor allem bei schnellen Bewegungen, treten so genannte Blockartefakte auf, der Film wirkt dann wie gekachelt.

Diese Qualitätsprobleme werden von der starken Kompression verursacht. Die DV-Kamera zeichnet den Film mit einer Auflösung von 720 x 576 Pixeln auf, die Datenrate des bereits komprimierten DV-Streams liegt bei 3,5 MByte/s. Eine CD könnte in diesem Format gerade mal drei Minuten Videomaterial fassen.

Dank der stark komprimierten Videoformate MPEG-1 und MPEG-2 passen aber schließlich auch längere Filme auf einen 650-MByte-Rohling. Der Encoder bringt im Idealfall das Kunststück fertig, eine vergleichsweise große DV-Datei nochmals um den Faktor 12 (SVCD) bis 20 (VCD) einzudampfen, ohne dass die Qualität allzu sehr darunter leidet.

Dabei wird zuallererst die Auflösung verringert, bei der Super-Video-CD auf 480 x 576 Pixel. DVD-Player, die SVCDs abspielen können, projizieren das gestauchte Format wieder auf die volle Fernsehauflösung, wobei man die reduzierte Auflösung kaum bemerkt, jedenfalls auf der TV-Mattscheibe. Die SVCD-Bitrate ist auf 2,6 MBit/s begrenzt - Probleme mit der Bildqualität treten deshalb viel häufiger auf als bei Video-DVDs, die eine Datenrate von bis zu 9,8 MBit/s aufweisen.

Noch kritischer ist die Situation bei Video-CDs (VCD). Im Unterschied zu DVD und SVCD, die im MPEG-2-Format beschrieben werden, nutzt man hier das ältere und qualitativ schlechtere MPEG-1-Verfahren für die Videokompression. Die Pixelzahl ist auf 352 x 288 reduziert, die Bitrate auf 1,15 MBit/s. Die Auflösung erreicht so gerade mal ein Viertel der DV-Norm, laufen soll die VCD aber auf dem gleichen Fernseher. Logisch, dass da keine besonders brillanten Ergebnisse zu erwarten sind. Für VCDs spricht aber, dass viel mehr Film auf einen Rohling passt und dass sie auf sehr vielen DVD-Standalone-Playern ohne Probleme laufen, was für selbst gebrannte SVCDs und DVDs nicht immer zutrifft.

Wir haben anhand einiger exemplarisch ausgewählter Videoschnittprogramme, MPEG-Encoder und Brennprogramme den Weg zu einer qualitativ guten VCD und SVCD gesucht. Im Einzelnen waren dies Pinnacle Studio 8, PowerDirector 2 Pro, die MPEG-Encoder bbMPEG 1.24, Ligos LSX-MPEG Encoder 3.5, MainConcept 1.2 und TMPGEnc 2.58 sowie die Brenntools Nero Burning ROM 5.5 und WinOnCD 5.0 Power Edition einschließlich der notwendigen MPEG-2-Plug-ins.

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VirtualDub erlaubt verschiedene Deinterlacing-Optionen.

Zur besseren Filterung der Videos haben wir die kostenlose AVI-Bearbeitungssoftware VirtualDub eingesetzt (siehe Soft-Link). Das Programm benötigt übrigens wie die MPEG-Encoder Ligos und MainConcept auch einen separaten Video-for-Windows-DV-Codec. Mit der von Microsoft favorisierten Architektur DirectShow können die Programme nichts anfangen. Ein solcher Video-for-Windows-DV-Codec liegt manchen Videoschnittprogrammen bei oder muss gekauft werden, etwa von MainConcept. Im Web kursieren auch noch Kopien eines kostenlosen Panasonic-DV-Codecs, den die Firma selbst nicht mehr anbietet.

Alles ganz einfach

Eigentlich ist das Erstellen und Brennen einer VCD oder SVCD ein Kinderspiel: Erst den Film schneiden, dann ins MPEG-1- oder MPEG-2-Format komprimieren (kodieren) und anschließend auf CD brennen. Videoschnittprogramme für Einsteiger folgen genau diesem Schema, im Extremfall drückt der Anwender nur einen VCD- oder SVCD-Button - und fertig ist die Videoscheibe, zumindest in der Theorie. In der Praxis wartet der Besitzer eines 1-GHz-Systems das Drei- bis Vierfache der Filmdauer, denn das Enkodieren ist sehr rechenintensiv.

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Das 2-Pass-Encoding von TMPGEnc erzeugt die qualitativ beste MPEG-2-Datei zum Brennen auf SVCD. Sie ist nur leicht unschärfer als das Original. Auf dem weichzeichnenden Fernsehmonitor sind beide Aufnahmen kaum zu unterscheiden.

Wir haben die anfangs genannten Programme mit einem kurzen selbst gedrehten Video bei den Standard-Voreinstellungen für VCD und SVCD getestet - das Ergebnis war ernüchternd (siehe unten). Wie bereits geschildert, flimmerte das Bild häufig, selbst bei ruhigen Sequenzen. Bei schnellen Bewegungen hatten wir den Eindruck, die Auflösung sei stark herabgesetzt: Der Schirm wirkte wie grob gepixelt (Blockartefakte). Pinnacle fiel durch ein besonders unscharfes Bild auf. Einziger Lichtblick war der Encoder TMPGEnc, der auf Anhieb eine gute MPEG-1-Datei (VCD) lieferte und auch im MPEG-2-Format eine gute Figur machte.

Blockdenken

Videokompression ist nicht so einfach, wie es mancher Software-Hersteller suggerieren will. Es gibt jedoch Mittel und Wege, die Qualität zu verbessern.

Im DV-Format werden 25 Einzelbilder pro Sekunde in einem mit JPEG vergleichbaren Format gespeichert. Bei MPEG-1 und MPEG-2 speichern Encoder in der Regel nur jedes 15. Einzelbild (Frame) vollständig ab. Für die übrigen 14 Bilder werden nur Differenzinformationen abgelegt, aus denen die Player-Software beim Abspielen die Einzelbilder rekonstruiert. Diese Komprimierung erfordert einen aufwendigen und zeitraubenden Algorithmus.

Zur leichteren Komprimierung teilt der Encoder das Bild in 8 x 8 Pixel große Blöcke auf. Blöcke, die sich von Frame zu Frame nicht verändern, müssen so nur einmal komplett gespeichert werden. Taucht ein neuer Block im Bild auf, dann wird zunächst geschaut, ob dieser Block vielleicht im vorangegangenen Frame schon an anderer Stelle im Bild vorhanden war. Falls eine Übereinstimmung gefunden wird, muss der Block nur als Vektor gespeichert werden. Das Verfahren heißt Motion estimation.

Bei Schnitten, schnellen Schwenks und rasanten Bewegungen im Bild wird der Encoder nicht mehr fündig. Er speichert dann jede 8x8-Pixel-Fläche mangels Bandbreite nur noch als grobes Muster ab, das Ergebnis sind jene bereits beschriebenen Blockartefakte. Die Neigung zu Blockartefakten nimmt zu, je kleiner die Bitrate wird.

Wackelpartie

Wollte man dem MPEG-Encoder die Arbeit so leicht wie möglich zu machen, dürfte es keine schnellen Schwenks oder Zoomfahrten geben - stattdessen wenige Einstellungen minutenlang gefilmt mit nur minimaler Bewegung. Das (artefaktfreie) Ergebnis sähe dann aber aus wie ein Sozialdrama aus den 70ern, nur mit Tante und Oma in den Hauptrollen.

Wie kommt man aber nun zu einer VCD oder SVCD, auf der auch Bewegung gut aussieht? Dass Qualität auch mit den im Vergleich zu DVD niedrigen Bitraten möglich ist, zeigen von DVD gerippte SVCDs. Auf einem kleinen Bildschirm fällt es mitunter schwer, sie überhaupt vom Original zu unterscheiden.

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Der mit Stativ aufgenommene Clip rechts wirkt nach dem Komprimieren ins SVCD-Format ruhiger und hat deutlich weniger Artefakte als die verwackelte Hand-Aufnahme links (Encoder: PowerDirector).

Ein entscheidender Punkt ist die Qualität des DV-Ausgangsmaterials. Der Encoder hat es zum Beispiel viel leichter, mit Stativ aufgenommene Clips zu komprimieren als das locker aus der Hand geschossene Homevideo. Steht die Kamera fest, dann fallen nur relativ wenige Differenzinformationen an, der Encoder kann sich ganz auf Bewegungen in der Szene konzentrieren, etwa das Blätterrauschen der Bäume oder vorbeifahrende Autos, während das übrige Bild nahezu unverändert bleibt. Wackelt die Kamera aber, erhöhen sich die Differenzinformationen beträchtlich, wodurch insgesamt weniger Bandbreite zur Verfügung steht, die aber vor allem für Bewegungen in der Szene gebraucht würde (siehe Abb. S. 198 oben).

Selbst die bei vielen Camcordern zuschaltbaren Anti-Wackelfilter verbessern die Lage nur wenig. Sie können ein Stativ nicht wirklich ersetzen, sondern nur die gröbsten Stöße abmildern (siehe Artikel S. 150). So gesehen, ist der Trend zu immer kleineren, leichteren DV-Cams nicht ganz unschuldig an unscharfen, von Artefakten übersäten VCDs und SVCDs.

Die Hälfte reicht

Doch selbst eine problematische Aufnahme lässt sich mit einigen Kniffen retten. Die Zauberformel lautet Reduzierung der Bildinformation. Denn weniger Details benötigen auch eine geringere Bitrate; das Ergebnis sieht besser aus. Bei schnellen Bewegungen stört sich das Auge ohnehin weniger an mangelnden Details als an Blockartefakten.

Als besonders effektiv - vor allem bei SVCDs - hat sich erwiesen, die vertikale Auflösung des Videomaterials vor dem Komprimieren zu halbieren. Man verzichtet auf jede zweite Zeile, etwa die ungeradzahligen, und verwendet nur die geradzahligen. Weil die Zeilenauflösung bei DV-Material und SVCDs identisch ist, verdoppelt man anschließend die 288 Zeilen auf 576. Jede der ursprünglich 288 Zeilen taucht dann zweimal auf. Ein vor dem Komprimieren derart bearbeiteter Film zeigt deutlich weniger Artefakte als vorher. Der Encoder hat mit verwackelten Aufnahmen viel weniger Probleme.

Bei dem beschriebenen Verfahren handelt es sich um nichts anderes als um ein simples, detailreduzierendes Deinterlacing. DV-Kameras liefern genau wie Fernsehkameras nicht etwa 25 Bilder je Sekunde, sondern 50 Bilder mit halber Zeilenauflösung. Das jeweils erste Halbbild enthält alle Zeilen mit ungerader Nummer, das zweite die mit gerader Nummer. Die Fernsehröhre baut die beiden Halbbilder immer nacheinander auf, erst die ungeraden Zeilen, dann die geraden, und erreicht so eine Bildwiederholrate von 50 Hertz. Dieses Verfahren heißt Interlacing oder zu deutsch Zeilensprung. Ohne diese Technik würde der Bildschirm mit 25 Hertz flimmern.

Bei schnellen Bewegungen unterscheiden sich die beiden Halbbilder deutlich voneinander. Ein fahrendes Auto befindet sich beispielsweise im ersten Halbbild an einer anderen Stelle als im zweiten Halbbild, weil es zwischen den beiden Momentaufnahmen im Abstand von einer fünfzigstel Sekunde ja schon ein Stück weiter gefahren ist.

Deinterlacing heißt nichts anderes, als aus zwei Halbbildern wieder ein Vollbild zu machen. Im einfachsten (und dümmsten) Fall schiebt man die Bilder einfach ineinander und erhält an den Kanten sich bewegender Objekte so genannte Kammartefakte.

Das MPEG-2-Format erlaubt sowohl den Interlacing-Modus mit 50 Halbbildern je Sekunde als auch den so genannten Progressive Modus mit 25 Vollbildern je Sekunde. DVD-Spieler kommen mit beiden Verfahren zurecht. Die durch vorheriges Deinterlacing erzeugten MPEG-2-Dateien sind aber deutlich besser in der Qualität als das komprimierte Interlace-Material. Die weniger flüssigen Bewegungen im Vollbildmodus fallen nur selten auf, etwa bei schnell fahrenden Autos, bei einer verwackelten Aufnahme tanzender Onkel und Tanten spielen sie keine Rolle.

Besonders augenfällig waren die Qualitätsverbesserungen - weniger Artefakte und ein deutlich ruhigeres Bild - bei den Encodern MainConcept und bbMPEG. Beide Programme bieten die benötigte Interlacing-Option `verwende nur unteres (oder oberes) Halbbild´ von Haus aus.

Fein-Deinterlacing

Leider verfügen einfache Videoschnittprogramme und MPEG-Plug-ins für Brennsoftware kaum über Deinterlacing-Funktionen. Gut, dass es die Freeware VirtualDub gibt - mit ihr lässt sich das einfache Deinterlacing von MainConcept & Co sogar noch verfeinern.

Zuerst reduziert man das Video auf ein Halbbild: Im Menü Video/Filters/Add-Button den Filter Deinterlace auswählen und Discard field 1 klicken. Anschließend wird das Ganze einfach wieder zu einem Vollbild vergrößert: Filter Resize hinzufügen, Auflösung 720 x 576 eingeben. Der Filter Modus Bicubic rundet beim Vergrößern entstehende hässliche Treppeneffekte ab.

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Bewegtes Objekt und wackelnde Kamera: Das intelligente Deinterlacen mit VirtualDub reduziert Artefakte und macht schnelle Bewegungen auf SVCDs schärfer.

Das Ergebnis, eine DV-Datei mit 25 Vollbildern pro Sekunde, komprimieren MPEG-Encoder mit deutlich weniger Artefakten. Bei größeren Projekten ist es nicht notwendig und auch nicht zu empfehlen, den Film in voller Länge zu deinterlacen. Schließlich würde man so unnötig Auflösung und damit Details verschenken. Es empfiehlt sich vielmehr, nur die kritischen Sequenzen zu deinterlacen und anschließend beim Videoschnitt neu einzufügen. Zur Erfolgskontrolle kann man die mit VirtualDub bearbeiteten Clips separat komprimieren, das geht wesentlich schneller, als den gesamten Film jeweils neu zu encodieren.

Nicht so scharf!

Bei MPEG-1-Dateien für VCDs dürfte ein vorheriges manuelles Deinterlacing eigentlich kaum Wirkung zeigen. Schließlich bestehen MPEG-1-Dateien nur aus Vollbildern und der Encoder muss ohnehin deinterlacen. Außerdem halbiert sich die Zeilenauflösung bei VCDs von 576 auf 288. Ein Encoder, der aus einer DV-Datei eine MPEG-1-Datei erzeugt, sollte sinnvollerweise nur ein Halbbild nehmen und das andere verwerfen. Doch überraschenderweise verbessert das beschriebende Deinterlacing mit VirtualDub auch die Qualität von VCDs. Es gibt nur eine Erklärung dafür: Kaum ein Encoder-Hersteller gibt sich ernsthaft Mühe, eine qualitativ gute MPEG-1-Datei zu erzeugen. Rühmliche Ausnahme ist TMPGEnc.

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Interlacing: Der Fernseher baut ein Vollbild aus zwei Halbbildern auf.

Deinterlacing ist aber nicht die einzige Möglichkeit, um die Bildinformation zu reduzieren und dem Encoder so die Arbeit zu erleichtern. Erfolgversprechend erscheint auch, kritische Sequenzen weichzuzeichnen. Wer mit Schärfe und Unschärfe jonglieren möchte, greift am besten gleich zur Freeware VirtualDub - sie bietet ein fein abgestuftes, sonst nur bei teuren Programmen wie Premiere & Co. übliches `Smoothing´. Einsteiger-Videoschnittprogramme müssen da passen. Meist besitzt ihr Weichzeichner, sofern überhaupt vorhanden, nur zwei, drei Stufen und arbeitet somit viel zu grob.

Damit nicht gleich der ganze Film wie durch einen Schleier aufgenommen wirkt, empfiehlt es sich wie beim Deinterlacing auch, nur die kritischen, bewegungsreichen Sequenzen als separate DV-Datei weich zu zeichnen und anschließend im Videoschnittprogramm neu einzufügen. Die Erfolgskontrolle, das Encodieren ins MPEG-Format und anschließende Betrachten, sollte ebenfalls zunächst nur mit den weichgezeichneten Clips erfolgen. Oft reicht das einfache Weichzeichnen nämlich nicht aus und die Szene muss zwei- oder dreimal nacheinander mit dem VirtualDub-Filter Smoothing bearbeitet werden.

Das Weichzeichnen verringert zwar die Artefakte, einen so großen Qualitätssprung wie das Deinterlacing bringt das Smoothing aber nicht.

Im Rausch

Generelle Qualitätsverbesserungen versprechen außerdem einstellbare Rauschfilter, die in einigen (besseren) Encodern integriert sind. Rauschen ist auch bei DV-Kameras unvermeidlich. Deutlich sichtbar wird es bei Aufnahmen, die bei schwachem Licht gemacht und durch Verstärkung aufgehellt wurden. Rauschen verbraucht ähnlich wie eine verwackelte Aufnahme unnötig Bitrate. Profis im DVD-Mastering nutzen Rauschfilter aber nicht nur zur Bitratenminimierung, sondern auch, um das Bild ruhiger erscheinen zu lassen.

Dem Digital-Video-Amateur stehen derartig ausgefeilte Filtersysteme nicht zur Verfügung. Erfahrungsgemäß bringen die einfach gestrickten Rauschfilter - sofern sie überhaupt vorhanden sind - bei Außenaufnahmen so gut wie nichts. Allerhöchstens lichtschwache Aufnahmen lassen sich damit minimal verbessern. Achtung: Das Einschalten eines Filters verlängert die Kodierzeit teilweise erheblich.

Speziell bei bewegungsreichen Aufnahmen kann die zusätzliche Encoder-Option Motion Detection weiterhelfen. Sie definiert, in welchem räumlichen Umkreis der Encoder in vorangegangenen und folgenden Frames nach gleichen Blöcken suchen soll (Motion Estimation). In den meisten Fällen macht es jedoch kaum Sinn, die voreingestellten Standardwerte zu verändern. Nur bei extrem schnellen Bewegungen, wenn ein Objekt nur Sekundenbruchteile zu sehen ist, kann ein größerer Suchparameter die Qualität verbessern. Dafür dauert das Komprimieren auch hier erheblich länger.

Doppelt hält besser

Einen großen Qualitätssprung bei MPEG-2-Dateien erreichen Encoder, wenn sie das Ausgangsmaterial in mehreren Durchläufen komprimieren (2- oder Multi-Pass-Encoding). Der erste Durchlauf dient der Analyse. Der Encoder merkt sich dabei, an welchen Stellen er besonders viel und besonders wenig Bitrate braucht. Beim zweiten, dem eigentlichen Komprimierungslauf, nutzt der Encoder das Wissen aus der vorherigen Analyse, um die Bitrate optimal anzupassen. Bei ruhigen Sequenzen geizt der Encoder, bei bewegungsreichen Szenen wird die Bitrate erhöht.

2-Pass-Encoding ist nur bei MPEG-2-Dateien möglich, denn nur dieses Format erlaubt neben konstanten auch variable Bitraten. Deshalb können davon nur SVCDs und DVDs profitieren, bei MPEG-1-Dateien auf VCDs ist die Bitrate konstant.

Leider ist die wichtige Option 2-Pass-Encoding nur selten anzutreffen. Zu den wenigen Encodern im Amateurbereich, die es beherrschen, gehört TMPGEnc. Das Programm überrascht nicht nur mit außergewöhnlich scharfen Bildern, sondern auch mit einem weitgehend artefaktfreien Film. Vergleichbare Qualität liefert ansonsten noch Cinema Craft Encoder SP, der nicht nur zweifach, sondern auch mehrfach encodieren kann, dafür aber 2000 Dollar kostet.

Die TMPGEnc-Hersteller begnügen sich mit 50 Dollar, weshalb wir ihren Encoder an dieser Stelle bevorzugen. Standardmäßig eingestellt ist das Komprimieren mit konstanter Bitrate, das 2-Pass-Encoding wird über die Settings eingeschaltet und verdoppelt in etwa die Kodierzeit. Doch das Warten lohnt sich: Der Qualitätsunterschied zu einfachen 1-Pass-Encodern ist enorm, obwohl die MPEG-Dateien gleich groß sind. 2-Pass-Encoding hilft auch dabei, einen etwas zu langen Film passend für eine SVCD herunterzurechnen - vor dem Brennen sollte man aber vorsichtshalber die Qualität prüfen.

Erheblichen Einfluss auf das Ergebnis hat natürlich auch der Encoder selbst. Von Programm zu Programm bestehen erhebliche Unterschiede, wie allein schon ein Blick auf Seite 197 unten zeigt. Unter den für diesen Artikel erprobten Programmen erzeugte TMPGEnc die qualitativ besten MPEG-Dateien. Gute Ergebnisse lieferten beispielsweise auch das WinOnCD-MPEG-2-Plug-in und der WinDVD Creator, obwohl sie bei schnellen Bewegungen zu Artefakten neigen. Pinnacle Studio 8 fiel mit vergleichsweise unscharfen Bildern auf, selbst bei Stativaufnahmen. Immerhin vermeidet das Programm dadurch aber Blockartefakte.

Die Qualität einer MPEG-Datei verbessert sich grundsätzlich mit der Bitrate. Mit nicht normierten Erweiterungen des VCD- und SVCD-Formats versucht mancher Anwender, die Videoqualität nach oben zu puschen. Auf so genannten XVCDs beziehungsweise XSVCDs (das X steht für extended) liegen entweder die Bitrate, die Auflösung oder beides oberhalb des Standards. Dadurch fasst eine CD natürlich auch weniger Minuten. Nicht jede Software lässt Abweichungen von der VCD-/SVCD-Norm zu. Das Brennprogramm WinOnCD verweigert beispielsweise schlicht den Dienst, wenn ihm die Bitraten der MPEG-2-Dateien für SVCDs zu hoch erscheinen - Nero Burning ROM ist da wesentlich toleranter.

Allerdings ist damit noch lange nicht sichergestellt, dass DVD-Player, die mit VCDs und SVCDs keine Probleme haben, die XSVCD oder XVCD ordentlich abspielen. Manches Gerät streikt ganz, andere spielen das Video übersät mit Artefakten, in falscher Geschwindigkeit oder mit asynchronem Ton ab. Endgültige Gewissheit verschafft nur Ausprobieren. Eine kleine Übersicht über die Kompatibilität aktueller DVD-Player finden Sie in der Tabelle rechts, eine umfassende Liste, zusammengestellt von Hunderten Anwendern weltweit, unter www.vcdhelp.com.

Wer sich ein bisschen Mühe beim Filmen, der Nachbearbeitung und beim Komprimieren gegeben hat, ist auf erhöhte Bitraten aber zum Glück nicht angewiesen.

Wahl-Menüs

Wer will, kann die VCD oder SVCD auch noch mit einfachen Menüs ausstatten, wie sie bei DVDs gang und gäbe sind. Allerdings können nur wenige Programme solche Menüs erzeugen - und an die Möglichkeiten eines DVD-Menüs reichen sie nicht heran. Bei Nero Burning ROM genügt ein Klick auf das Feld `Menü aktivieren´ im Menü-Reiter des Fensters `Neue Zusammenstellung´. Der Anwender hat die Wahl zwischen 6, 8, 12 oder 15 Clip-Miniaturansichten in einem Menü, Überschrift und Hintergrundbild sind frei wählbar.

Im Programm WinOnCD muss sich der Anwender beim Öffnen eines neuen Projektes nur für interaktive statt einfache VCD oder SVCD entscheiden. Anstelle eines Videoclips zieht er dann als Erstes das Bild für den Menü-Hintergrund in den Bereich VCD/SVCD. Die einzelnen Videoclips werden dann einfach eine Ebene tiefer eingefügt. WinOnCD erlaubt auch gewisse Eingriffe in das Aussehen der Buttons, dafür fehlt aber die bei Nero mögliche Beschriftung der Clips im Menü. Wer etwas mehr Luxus sucht, etwa animierte Menüs, sollte sich den kostenlosen GNU VCD Imager genauer anschauen (siehe Soft-Link).

Bevor 20 VCDs oder SVCDs gebrannt sind, empfiehlt es sich zu testen, ob der DVD-Player mit den Menüs zurechtkommt (siehe obere Tabelle). Falls alles glatt gelaufen ist, dann steht dem artefaktfreien Familienfest nichts mehr im Wege. Und wenn die Verwandtschaft immer noch über die Qualität mäkelt, dann sollte sie einfach Geld zusammenlegen und einen DVD-Recorder nebst großem Stapel Rohlinge kaufen. (hod)

Literatur

[1] Johannes Winkler, Volker Zota: Filme scheibenweise, (Super) Video CD im Eigenbau, c't 13/01, S. 192

[2] Gerald Himmelein, Jörn Loviscach: DVD auf dem Vormarsch, Grundlagen zu DVD am PC, c't 13/00, S. 14

Kasten 1


Videoformate für CD und DVD im Überblick

VCDSVCDDVD
FormatMPEG-1MPEG-2MPEG-2
Auflösung PAL352 x 288480 x 576720 x 576
max. Video-Datenrate1150 kBit/s2600 kBit/s49800 kBit/s4
Audio-Sampling44,1 kHz44,1 kHz48 kHz
Audio-Datenrate224 KBit/s64-384 KBit/s64-6144 kBit/s
Rohling-Spieldauer74 min135-60 min160-180 min2
konstante/variable Bitrate+/-+/++/+
Progressive/Interlaced+/-+/++/+
Qualität3[±][+][++]

1650 MByte-Rohling

24,7 GByte-Rohling

3abhängig vom Encoder

4inkl. Audio

[++] sehr gut [+] gut [±] zufrieden stellend [-] schlecht [--] sehr schlecht + vorhanden - nicht vorhanden

Kasten 2


Ausgewählte MPEG-Encoder im Vergleich

Pinnacle Studio 8.1PowerDirector 2 ProWinDVD CreatorbbMPEG 1.24 beta 18LSX-MPEG Encoder 3.5MainConcept 1.2TMPGEnc 2.58Nero Burning ROM 5.5WinOnCD 5.0 Power Edition
HerstellerPinnacle SystemsCyberlinkIntervideoBrent BeyelerLigosMainConceptHiroyuki Hori/ PegasysAhead SoftwareRoxio
URL www.pinnaclesys.com www.cyberlink.de www.intervideo.com http://members.cox.net/beyeler/bbmpeg.html www.ligos.com www.mainconcept.de www.tmpgenc.net www.nero.com www.roxio.de
KategorieVideoschnittsoftwareVideoschnittsoftwareVideoschnittsoftwareStandalone-EncoderStandalone-EncoderStandalone-EncoderStandalone-EncoderBrennsoftwareBrennsoftware
MPEG-1/MPEG-2+/++/++/++/++/++/++/++/+1+/+2
Menüs VCD/SVCD/DVD-/-/+-/-/++/+/+-/-/-3-/-/-3-/-/-3-/-/-3+/+/++/+/+
2-Pass-Encoding------+--
Deinterlacing---++++--
Rauschfilter------+--
Motion Detection einstellbar---++++--
Qualität SVCD[-][-][±][--][-][±][+][-][-]
Erläuterung zur Qualität sehr unscharf, kaum Artefakte unscharf, Artefakte etwas unscharf, Artefakte sehr starke Artefakte scharf, aber starke Artefakte scharf, aber Artefakte scharfes Bild, kaum Artefakte unruhiges Bild, leichte Artefakte ruckelnde Schwenks, leichte Artefakte
Preis130 EUR100 EUR100 US-$Freeware80 US-$150 EUR48 US-$40 EUR161 EUR2

1 separates MPEG-2-Plug-in erforderlich, Preis 16 EUR

2 separates MPEG-2-Plug-in erforderlich, Preis 25 EUR

3Standalone-Encoder

[++] sehr gut [+] gut [±] zufrieden stellend [-] schlecht [--] sehr schlecht + vorhanden - nicht vorhanden k. A. keine Angabe

Kasten 3


VCD-/SVCD-Kompatibilität ausgewählter DVD-Player

VCDVCD-MenüXVCD1SVCDSVCD-MenüXSVCD2
Cyberhome CH-DVD 505++-4++-3
Denon DVD-1000++-3+--3
Denon DVD-900+++---
Kenwood DVF-3060++----
Mivoc DSX-8500++-++-
Mustek DVD-V560++-++-
Panasonic DVD-RV32+++++-3
Panasonic DVD-RV36++-3++-3
Philips DVD 743++-++-
Pioneer DV-350++++++
Pioneer DV-454++++++
Saba DVD 431 SA++-++-
Sony DVP-NS405++-3---
Teak PL-D2000+--+--
Thomson DTH 4500Si+--+--
Yamakawa AV-Phile 715+++++-3
Yamakawa DVD 820-5-5-5-5-5-5
Yukai DVD-V56S-2-6-6-6-6-6-6

1 Standardauflösung 352 x 288, Bitrate 2000 kBit/s

2 Standardauflösung 480 x 576, Bitrate 3500 kBit/s (variabel)

3 ruckelndes Bild, Bild und Ton nicht synchron

4 nur Schwarz-Weiß

5 spielt keine CD-R

6 spielt nur DVD, MP3- und Audio-CD

+ vorhanden - nicht vorhanden